Gedichte zum neuen Jahr

Wie wäre es anlässlich des neuen Jahres mit ein paar Gedichten zu starten. Lehn dich zurück, lass dich inspirieren und genieße diese Gedichte zum neuen Jahr.

Deine Gedichte zum neuen Jahr

Das alte Jahr noch nicht gegangen,
das neue noch nicht angefangen –
kommen vor diesem Neubeginn
mir so viele Gedanken in den Sinn –
die noch tief im Schlafe eingehüllt,
sehr bald schon Worte mit Leben füllt.
Nie liegen Traum und Wunsch so nah –
doch manchmal werden sie sogar wahr.
Oder wollen wir uns nur träumend verneigen –
warten wir es ab – das Neue Jahr wird es uns zeigen.

© Roswitha Bloch (*1957)

Im neuen Jahre Glück und Heil,
Auf Weh und Wunden gute Salbe!
Auf groben Klotz ein grober Keil!
Auf einen Schelmen anderthalbe!

@ Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Das frühe Jahr beginnt zu glänzen
Das frühe Jahr beginnt zu glänzen,
will sich der Sonnensommerglanz
je mehr und mehr naht unsern Grenzen
und schenkt uns seinen Blumenkranz.
des Winters Sturm ist überstanden,
jetzt herscht die Lieb‘ in unsern Landen.

@ Philipp von Zesen, 1619-1689

Gedichte zum neuen Jahr, die inspirieren

Dass bald das neue Jahr beginnt
Dass bald das neue Jahr beginnt,
spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: Die Zeit verrinnt
genauso wie an Pfingsten.

Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
in heimlichen Geweben.
Wenn heute Nacht ein Jahr beginnt,
beginnt ein neues Leben.

© Joachim Ringelnatz 1883-1934

Rollend Spinnrad spinnt die Zeit
Rollend Spinnrad spinnt die Zeit,
Jahre wehn wie Flocken,
Hinter uns, wie liegen weit
Lebenslenz und Locken.

Rollend Spinnrad spinnt die Zeit,
Wolken ziehn wie Jahre,
Stille Träne, vieles Leid
Spinnt uns Silberhaare.

Rollend Spinnrad spinnt die Zeit,
Schnee und Flocken fliegen,
Nur die Arbeit, froh bereit,
Kann dich, Leid, besiegen.

Carl Ludwig Schleich, 1859-1922 (Schriftsteller/Erfinder der Anästhesie)

Weltlauf

Was du gestern frisch gesungen,
Ist doch heute schon verklungen,
Und beim letzten Klange schreit
Alle Welt nach Neuigkeit.

War ein Held, der legt‘ verwegen
Einstmals seinen blutgen Degen
Als wie Gottes schwere Hand
Über das erschrockne Land.

Musst’s doch blühn und rauschen lassen,
Und den toten Löwen fassen
Knaben nun nach Jungenart
Ungestraft an Mähn und Bart.

So viel Gipfel als da funkeln
Sahn wir abendlich verdunkeln;
Und es hat die alte Nacht
Alles wieder gleichgemacht.

Wie im Turm der Uhr Gewichte
Rucket fort die Weltgeschichte,
Und der Zeiger schweigend kreist;
Keiner rät, wohin er weist.

Aber wenn die ehrnen Zungen
Nun zum letztenmal erklungen,
Auf den Turm der Herr sich stellt,
Um zu richten diese Welt.

Und der Herr hat nichts vergessen,
Was geschehen wird er messen
Nach dem Mass der Ewigkeit –
O wie klein ist doch die Zeit!

© Joseph von Eichendorff 1788-1857

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