Das Karussell – Gedicht mit vielen Stilmitteln interpretieren

Stehen die ersten Hausarbeiten und Prüfungen an? Dann solltest du dich intensiv mit der Gedichtinterpretation auseinandersetzen. Bisher bin ich im theoretischen Bereich geblieben und habe dir erklärt, wie wir Reime, Metrik und Analyse aufbauen. Jetzt werden wir ein Gedicht mit vielen Stilmitteln interpretieren, um dir mehr Sicherheit in dieser Schreibtechnik zu geben.

Gedicht mit vielen Stilmitteln interpretieren

Werfen wir einen Blick auf das Erscheinungsjahr und den Autor, kommen wir auf die entsprechende Epoche. Wir landen mit dem Karussell im Symbolismus. Das Gedicht ist eines der bekanntesten Werke aus der Feder von Rainer Maria Rilke und datiert auf 1906. In diesem Gedicht beobachtet das lyrische ICH die Fahrt auf einem Karussell und schildert dabei seine Eindrücke. Wer Gedichte verstehen möchte, erhält hier eines der Musterbeispiele der Dinggedichte.

Der Fokus liegt auf einem „Ding“, das so detailliert und bildhaft beschrieben wird, um das Innerste zum Vorschein zu bringen. In diesem Gedicht ist das „Ding“ ein Karussell, das die Kindheit und  die Vergänglichkeit des Lebens herausstellt.

Gedicht mit vielen Stilmitteln untersuchen –  Person Strophen

Das „Karussell“ besteht aus sieben unterschiedlich langen Strophen. Die erste Strophe kommt aus acht Versen. Die jeweils zweite und dritte Strophe besteht aus vier Versen. Darauf folgt ein Einzeiler und die fünfte Strophe mit vier Versen. Den Abschluss bilden ein Einzeiler und die siebente Strophe mit sieben Versen.

Gedicht mit vielen Stilmitteln –  Aufbau, Inhalt und Deutung

Zunächst geht es um das Karussell und seine Einzelheiten, die detailliert vom lyrischen Ich beschrieben werden. Es tauchen Pferde und ein böser roter Löwe auf. Diese detailreiche Beschreibung wird nochmals durch die Alliteration betont.

In der zweiten Strophe liegt der Fokus auf einem kleinen Mädchen, das auf einem Pferd sitzt. Nun ist es nicht mehr möglich, Gesichtszüge zu beschreiben. Wahrscheinlich nimmt das Karussell an Fahrt auf.

In den Versen 12 bis 14 geht es um einen Jungen, der auf einem Löwen sitzt. Ein auffälliger Satzbau wie bei „reitet weiß ein Junge“ erwähnt die Farbe und dann das Kind. Vermutlich ist das Karussell so schnell, dass es dem lyrischen Ich gar nicht mehr möglich ist, festzustellen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Daneben tauchen immer wieder Details auf, wie „der Löwe zeigt Zähne und Zunge“.

Im ersten Einzeiler geht es um den Elefanten. Das Karussell hat wohl seine erste Runde beendet und das Tier taucht wieder auf.

In der fünften Strophe ist das Mädchen dem Pferdesprung entwachsen. Dieses Mädchen sei zu alt für das Karussell und die Kindheit geworden. Daraufhin folgt eine Beschreibung einer Gruppe von Mädchen, die nicht mehr als Einzelpersonen auftreten.

Die sechste Strophe ist der zweite Einzeiler des Gedichtes. Nun taucht der weiße Elefant auf. Das Karussell hat eine erneute Runde gedreht. Wer genau hinsieht erkennt, für die erste Drehung hat das Karussell sechs Verse benötigt. Nun taucht schon nach vier Versen der Elefant wieder auf. Es ist ein Indiz dafür, dass die Zeit scheinbar schneller vergeht und wie eine Karussell verfliegt.

Das Ende ist zugleich auch der Schluss der Fahrt.

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Gedicht mit vielen Stilmitteln –  das Karussell und seine Geschwindigkeit

Abschließend geht es in der letzten Strophe nochmals um das Karussell im Ganzen. Ohne Ziel dreht es sich schneller und immer weiter. In Vers 23-24 hat es seine Höchstgeschwindigkeit erreicht. Es sind nur noch Farben zu erkennen. Mit den Drehungen des Karussells lässt sich symbolisch auf die Gedanken übergehen, die Kindheit würde niemals enden.

Das Ende kommt zu abrupt, wenn sich das Karussell der Kindheit nicht mehr dreht und sich als Erwachsener im Leben wiederfindet.

Gedicht mit vielen Stilmitteln –  Beispiele für Stilmittel

Das Tempo des Karussells kommt zum Teil über das Sprachtempo und Anzahl der Silben der Wörter zum Ausdruck. Gerade zu Beginn tauchen Worte mit gedehnten Vokalen auf, die so ein 1-Silben-Worte übergehen. Über den Einsatz diverser stilistischen Mittel werden die Bewegungen im Kreis verdeutlicht.

Der überwiegende Teil des Gedichts steht im klassischen Zeilenstil. Wobei sechs Enjabements auftauchen. Das sind die Versenden, die fließend auf die nächsten Zeilen übergehen und nicht mit einem Punkt oder einem Komma abschließen. Das macht das Gedicht flüssig und fließend. Das kleine Wörtchen „und“ findet vielfach Einsatz  und kommt in einer Anapher vor – siehe: „Und das geht hin und eilt sich, dass es endet, und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.“ (Vers 21-22)

Über die drei Punkte am Ende des Gedichts wird deutlich, das Karussell wird sich weiter drehen.

Gedicht mit vielen Stilmitteln: Das Karussell – Rainer Maria Rilke

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.
Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.
Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber –
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel…

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