Gedichte verstehen & interpretieren wird endlich einfacher!

Wer Gedichte verstehen möchte, sollte sich mit dieser Art des Textes auseinandersetzen. So bezeichnen wir ein Gedicht als Lyrik und ordnen es einer literarischen Gattung zu. Im Gegensatz zur Dramatik und Epik ist der lyrische Text in Versen aufgebaut. Der Begriff lyrisch verweist auf eine gefühlsbetonte und stimmungsvolle Atmosphäre, die ganz in der klassisch romantischen Tradition steht.

Warum fällt es uns schwer, Gedichte zu verstehen?

Oftmals ist der für uns ungewöhnliche Sprachgebrauch für die Verständnisprobleme verantwortlich. Würden wir uns vorstellen, dass wir fortan nur noch in Versen sprechen, verändert sich die gesamte deutsche Sprache. Das Hauptaugenmerk liegt auf einem lyrischen Ich, das über eine bildhafte Sprache eine bestimmte Intention mit dem Gedicht verbindet. Diese Absicht wird auf den ersten Blick gar nicht deutlich, da der Sprachgebrauch auf bildhafte Mittel abzielt.

Was ist ein Gedicht?

Im Prinzip fällt es uns gar nicht so schwer, ein Gedicht allein anhand seiner Form und dem Aufbau zu erkennen. Versuchen wir hingegen, eine feste Definition zu finden, kommen wir nicht ganz so schnell ans Ziel. Verantwortlich für die schwere Greifbarkeit von Gedichten ist vor allen Dingen die enorme Bandbreite unterschiedlicher Stilistiken und Variationen. In der Minimaldefinition ist das Gedicht ein Text in Versen.

Verse sind in der Mehrzahl durch Pausen und Zeilenumbrüche gekennzeichnet. Sie unterscheiden sich deutlich von unserem sprachlichen Gebrauch. Das macht den Vers zu einem der einfachsten Merkmale für ein Gedicht.

In der Moderne, wie zum Beispiel im Dadaismus, erfährt die Zersetzung der eigentlichen Gedichtform ihren Höhepunkt. So ist es auch der Anspruch, der im Gedicht vom modernen Werbetext unterscheidet. Wissenschaftliche Objektivität ist fehl am Platz. Die Subjektivität, das lyrische und die Empfindungen sind das Lebenselixier der Gedichte und helfen dabei, diese besonderen Texte besser zu verstehen.

Wir haben also nun gelernt, dass die Besonderheit der Gedichte in ihrer Form liegt. Wer fortan Gedichte verstehen und analysieren möchte, sollte sich nicht von einer experimentellen Form und dem schwierigen Sprachgebrauch beeindrucken lassen, sondern Schritt für Schritt vorgehen.

So garantiert Gedichte verstehen:

Wir nehmen uns zunächst den Text vor und lesen ihn 2-3 Mal durch. Vielen hilft es, wenn sie den Text laut vorlesen oder zumindest flüstern. Der Leser kann sich so besser in die Situation hineinversetzen.

Schnapp dir einen Bleistift und versuche, an den ersten Strophen eine kurze inhaltliche Notiz zu hinterlassen. Wähle dafür eigene Worte. Die spätere Inhaltsangabe der Gedichte fällt so viel einfacher.

Suche nach Reimen oder sprachlichen Auffälligkeiten. Tatsächlich gehört dies zur formalen Analyse, die auch ohne jegliches lyrisches Sprachgefühl gelingt.

Geh mit einem Textmarker auf die Suche nach ungewöhnlichen sprachlichen Bildern oder Ausdrücken die besonders lebendig wirken. Hier haben wir es mit stilistischen Mitteln zu tun, die dir bei der Analyse und beim Verstehensprozess helfen.

Inhaltsangabe von Gedichten, ganz einfach

Viele haben leider verlernt, einen Text gründlicher und intensiver zu lesen. Lasst euch nicht von Anfang an verunsichern, sondern versucht stufenweise vorzugehen. Bei der Inhaltsangabe ist es besonders wichtig, die eigentlichen inhaltlichen Punkte mit eigenen Worten zusammenzufassen.

Eine Inhaltsangabe für Gedichte wird immer im Präsens geschrieben und sollte die Länge eines Gedichtes nicht wesentlich übersteigen. Eine Ausnahme bilden vielleicht äußerst kurzer Verse. Hier wäre es etwas umständlich, von einer Inhaltsangabe zu sprechen. Diese Form der Zusammenfassung hilft uns lediglich, die eigentliche Intention des Schreibers bzw. des lyrischen ICH herauszufinden.

Die Verse und Strophen analysieren

Im oberen Bereich haben wir gelernt, dass Gedichte anhand von Versen einen deutlichen Unterschied zu anderen Texten bilden. Jede einzelne Zeile in einem Gedicht ist ein Vers, der mit einem Textumbruch endet.

Die Verse stehen in einem Absatz zusammen, den wir als Strophen bezeichnen. Demnach setzten sich die Strophen aus Versen zusammen.

Stellt man gleich klingende Wörter gegenüber, erreichen die Schreiber einen Reim. Beim Verstehen von Gedichtes ist es nun die Aufgabe, diesen Reim zu definieren und zu bestimmen. Fachlich ist vom Reimschema die Rede. Zunächst schreibst du für gleichklingende Wörter am Ende der Verse einen kleinen Buchstaben. Nachdem späteren Buchstabenschemata lässt sich dieses einem Reimschema zuordnen.

Beispiel:  Paarreim – aabb |  Kreuzreim – abab |  umarmen daheim abba

Stilistische Mittel: sprachliche Bilder im Gedicht verstehen

Eine der größten Herausforderungen beim Verstehensprozess ist die Definition und die Deutung der sprachlich stilistischen Bilder. Autoren haben ein Gedicht geschrieben und dafür eine bestimmte Form und Umschreibung gewählt, um ihrer eigentlichen Intention Ausdruck zu verleihen. Außerdem erzielen wir mithilfe von sprachlichen Umschreibungen und bildhafter Sprache ganz bestimmte Wirkungen beim Leser und Zuhörer.

Es ist nun an unsere Aufgabe, hinter diese Wirkungen zu kommen, und uns intensiv mit einem Gedicht auseinander zusetzen. Zu den häufigsten stilistischen Mitteln gehören Vergleiche, Personifikationen und Metaphern. Andere stilistische Mittel orientieren sich einzig und allein an dem Gebrauch bestimmter Buchstaben, Anfangsbuchstaben und Reimschemata. So reicht es nicht aus, in einer Gedichtanalyse einen unvollständigen Satz aufzutreiben. Er muss als Ellipse definiert werden, die mit einer ganz bestimmten Wirkung einhergeht.

Keine Sorge, ich werde euch in den nächsten Wochen und Monaten helfen, die wichtigsten stilistischen Mittel zu verstehen und diese folgerichtig zu deuten. Ihr werdet wohl nicht drumherum kommen, euch mit den sprachlichen Bildern beim Verstehen der Gedichte auseinander zusetzen.

Gedichte inhaltlich verstehen: das lyrische ich

Im Prinzip schlüpft jeder Texter und Autor in die Rolle des lyrischen ICH und nimmt einen anderen Charakter an, der im Gedicht zum Ausdruck kommt. Es ist also an unserer Aufgabe, herauszufinden, wer im Gedicht spricht.

W-Fragen in der Gedichtsanalyse

Um eine bessere Nähe zum lyrischen Text zu bekommen, solltet ihr die geläufigen W-Fragen stellen. Die Frage nach dem Ort, der Zeit, dem Grund oder der Art und Weise hilft euren Gedanken auf die Sprünge und formt zunächst einen besseren Ansatz für eine Gedichtinterpretation.

FAZIT – Gedichte verstehen, kein Problem!

Es ist keinesfalls ungewöhnlich, sich erst einmal eine Weile mit dem Bleistift Notizen rund um das Gedicht zu machen. Reimschemata, Verse und Metrum, Überschrift, Autor, W-Fragen, Inhaltsangabe und das lyrische ICH –  diese inhaltlichen Schwerpunkte gilt es, für eine gelungene Gedichtinterpretation zu bestimmen. Mit etwas Übung dürftet ihr merken: Es ist gar nicht so schwer, ein Gedicht zu verstehen und zu analysieren. Gerade für spätere Abschlussprüfungen oder das Abitur in Deutsch ist die Gedichtanalyse oftmals eine der einfacheren Varianten und eine sichere Bank für eine sehr gute Note.

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