Lesen durch Schreiben versus Fibel: Wie lernen Kinder die korrekte Rechtschreibung?

Mit der Bonner Studie ist ein Streit um die geeignete Lehrmethode entbrannt, die unseren Kindern das Schreiben beibringt. Ich selbst habe einige Jahre bei einem freien Träger unterrichtet, der nach der Methode „Schreiben nach Gehör“ unterrichtet. In meiner Arbeit sind mir immer wieder Probleme aufgefallen, die sich mit den Grundfesten dieser Methodik nicht übereinbringen lassen. Doch wie lernen Kinder – wirklich fehlerfrei zu schreiben?

Wie lernt mein Kind SCHREIBEN?

Gehe ich in meine Grundschulzeit zurück, habe ich in der ersten Klasse stolz meine Fibel aufgeschlagen und mich durch die ersten Seiten Mimi, Mama, Momo geackert. Nach mehreren Jahren innovativer neuer Konzepte, mit denen auch wir Lehrer uns auseinandersetzen, soll nun diese Fibelmethode der beste Weg sein, um Lesen und Schreiben zu lernen?

Warum macht die Fiebelmethode das Rennen?

Die Bonner Psychologen haben in einer Studie herausgefunden, dass eine systematische, schrittweise Einführung der Buchstaben der beste Weg ist. Untersuchungsgegenstand waren 3.000 Grundschüler, deren Lernerfolge auf dem Prüfstand folgende Ergebnisse brachten:

Im Durchschnitt haben die Grundschüler weniger Fehler gemacht, wenn sie nach der althergebrachten Fibelmethode lernten. Mehr Fehler unterliefen den Kindern, die nach Gehör schrieben und deutlich mehr Fehler machen die Schüler, die in der Rechtschreibwerkstatt lernten.

Kritik an „Schreiben nach Gehör“

Mancherorts hat die LDS-Methode (Lesen durch Schreiben) die Fibelmethode fast vollkommen verdrängt. Dadurch sollen die Schüler mehr schreiben und darüber das Lesen lernen. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der freien Entfaltung der Kinder, die von Anfang an Spaß am Schreiben haben und nicht durch strenge Rechtschreibregeln ausgebremst werden. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen – kurz IQB – setzt diesem Trend 55 Prozent aller Viertklässler entgegen, die den orthografischen Standard nicht erreichen (Stand: 2016).

Der Grundschulverband kritisiert eine Pauschalisierung der besten Lernmethode. Das sei nicht nur unwissenschaftlich, sondern irreführend. Die Lehrer und die Schulen sollten entscheiden, welches der geeignete Weg ist, um korrekt Schreiben und Lesen zu lernen. (Quelle: Leipziger Volkszeitung)

Meine Meinung zur Rechtschreibdebatte …

Den einen Weg, wie unsere Kinder lesen und richtig schreiben, gibt es für mich nicht. Ich hatte das Glück, kleine und große Klassen zu unterrichten. Wobei immer die Schüler in den Kleinstgruppen von meinem Unterricht profitierten. In den ersten beiden Jahren, also in der Schuleingangsphase, lag unser Hauptaugenmerk auf der LDS-Methode.

Die Schüler konnten schon in den ersten Tagen schreiben und brachten in der ersten Klasse eigene Geschichten aufs Papier. Das hat auch die Eltern begeistert. Ich habe den Eltern davon abgeraten, mit den Kindern zuhause zu üben. Viel produktiver empfand ich das gemeinsame Lesen von Silben-Büchern und ein natürlicher Umgang mit der Sprache. Meine Aufgabe als Lehrer bestand darin, jeden Schüler da abzuholen, wo er steht.

Mit dem Übergang in die 3. und 4. Klasse habe ich aktiv Rechtschreibregeln eingeführt, Sätze, Wortarten und Satzglieder trainiert. Ich würde mich niemals auf eine Methode konzentrieren. Ich picke mir die „Sahnestücke“ aus den Lehrmethoden heraus und stimme sie mit dem Lernstand des Kindes ab.

Was mir auffiel?

Es gibt Kinder, die mit der LDS-Methode nicht so gut zurechtkommen. Ihnen fällt der Umgang mit Sprache schwerer. Sie brauchen Unterstützung und kommen mit der Freiheit – alles so zu schreiben, wie sie wollen – nicht zurecht. In diesem Fall sind wir Lehrer gefragt, gezielte Unterstützung zu bieten, um einem Schüler über Regeln einen Orientierungsrahmen zu geben, in dem er leichter lernt.

Die eine Methode gibt es nicht. Wir sollten umdenken und unseren Kindern die Chance geben, Lust am Schreiben zu entwickeln, ohne sie im Irrwald der Rechtschreibung allein zu lassen. Erst dann werden sich auch die Ergebnisse auf lange Sicht verbessern.