Weihnachtsgedichte

Türchen No.1 – Die schönsten, alten Weihnachtsgedichte aus Großmutters Zeiten

Endlich ist es so weit, das erste Türchen geht auf und mit ihm starten wir in eine wunderschöne Adventszeit. Ich liebe die Weihnachtszeit und mache es mir so oft geht in der warmen Stube gemütlich bei Kakao, Glühwein, Räucherkerzen und Lebkuchen. Dieses Jahr gibt es auf meinem Blog einen Adventskalender. Das bedeutet für euch: Jeden Tag eine neue Überraschung. Hinter Türchen Nummer 1 verstecken sich die schönsten, alten Weihnachtsgedichte aus Großmutters Zeiten, die in mir ein wunderbar, heimeliges Gefühl hervorrufen.

Lieber guter Weihnachtsmann …

Lieber guter Weihnachtsmann
Schau mich nicht so böse an.

Stecke deine Rute ein,
Ich will auch immer artig sein.

Von drauß vom Walde komm ich her

Von drauß‘, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich gold’ne Lichtlein blitzen,
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann‘,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
alt und jung sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruh’n,
und morgen flieg‘ ich hinab zur Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!“

Ich sprach: „O lieber Herr Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.“
– „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier;
den Apfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.“
– „Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten!“
Christkindlein sprach: „So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauß‘, vom Walde komm ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find!
Sind’s gute Kind‘, sind’s böse Kind‘?

Autor: Theodor Storm

Hier eine schöne Version von Rolf Zuckofski – es gibt im Bereich Kinderlieder und Weihnachten kaum einen passenderen Musiker.

Der Tannenbaum

Im Walde steht ein Tannenbaum
Mit Nadeln spitz und fein.
Damit näht sich der Distelfink
Sein buntes Röckelein.

Er stehet da, so kerzengrad‘,
Und grün ist stets sein Kleid,
Im Frühling und im Sommer wohl
Und auch zur Winterzeit.

Christkindlein schickt durch Schnee und Eis
Knecht Ruprecht dann hinaus.
Der schneidet ab den Tannenbaum
Und nimmt ihn mit nach Haus‘.

Christkindlein hängt mit zarter Hand
Viel‘ Nüss‘ und Äpfel dran,
Und Lichtlein steckt’s auf jeden Zweig,
Dazu auch Marzipan.

Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
Dann klingelt die Mama. –
Wie steht der grüne Tannenbaum
So bunt und helle da!

Du Tannenbaum im dunklen Wald,
Bald wirst du abgestutzt.
Drum freue dich, dann wirst du auch
Gar herrlich aufgeputzt.

Georg Christian Dieffenbach

Adventsgedicht

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt.
Und manche Tanne ahnt wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird;
Und lauscht hinaus.

Den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin – bereit
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Autor: Rainer Maria Rilke

Kerzen brennen hell und klar,
noch schöner als es jemals war,
das Haus erleuchtet ist so hell,
die Kinder folgen wirklich schnell,
damit der Weihnachtsmann sie lobt,
wird heute nicht mehr herumgetobt.
Aufs Christkind warten sie still,
so wie man brave Kinder will.

Autor: unbekannt

Es treibt der Wind

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird.

Sie lauscht hinaus. Den weissen Wegen
Streckt sie die Zweige hin bereit
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Autor: Rainer Maria Rilke

Mitten in der Wintersnacht,
bin ich einmal aufgewacht,
und ich dachte so bei mir:
Wie gern wäre ich jetzt bei Dir.
Gerade zu der Weihnachtszeit,
da sehne ich mich nach Zweisamkeit.
Drum bitte ich, vergiss mich nicht,
sei stets für mich mein Weihnachtslicht.

Autor: unbekannt

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem ersten Türchen auf den Advent einstimmen und etwas glücklich machen. Auch wenn das Wetter heute noch nicht an das Weihnachtsfest erinnert, erwärmen aber diese Weihnachtsgedichte jedes Herz.