Unglaublich, was beim Lesen in deinem Gehirn passiert? 

Eine indische Studie mit Analphabeten hat herausgefunden, dass sich durch das Lesen unsere Großhirnrinde fulminant verändert. Darüber hinaus verformen sich alte Hirnstrukturen, wie der Hirnstamm und der Thalamus. Lesen lernen ist für Schüler in der Grundschule eine der größten Hürden, die Monate bis Jahre in Anspruch nimmt. Wer in der Lage ist, zu lesen, dem eröffnet sich eine vollkommen neue Welt. Doch was passiert genau im Gehirn?

Was passiert beim Lesen im Gehirn?

Wer denkt, der Mensch hätte schon immer gelesen, irrt gewaltig. Die Erfindung der ersten Schrift ist gerade ein paar tausend Jahre alt. Das mag ein Grund sein, warum es im Gehirn kein eigenes Lesezentrum gibt und andere Gehirnareale für diese geistige Errungenschaft im Einsatz sind.

Wenn wir lesen lernen erfolgt gleichzeitig ein aufwendiger Umbau in unserem Gehirn.

Vermutungen legen nahe, dass wir mit dem Hirnareal lesen, das auch für das Erkennen komplexer Objekte verantwortlich ist. Stück für Stück entstehen Schnittstellen zwischen dem Sprachsystem und dem Sehsystem.

Durch das Lesen verbessert sich unsere Sprache.

Einblicke in unser Gehirn beim Lesen

Ich finde es sehr spannend, einen Blick auf das Gehirn zu werfen, wenn wir lesen. Am Max-Planck-Institut für Kognition und Naturwissenschaften hat Falk Huettig und Michael Skeide eine Studie mit indischen Analphabetinnen durchgeführt. Wie wir wissen, bleiben in Indien Frauen der Zugang zur Bildung oftmals verwehrt.

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An der Studie nahmen Frauen teil, die zunächst keinen Buchstaben Hindi entziffern konnten. Damit ist die Landessprache von Indien gemeint. Der Unterricht im Lesen und Schreiben erfolgte über sechs Monate. Danach erreichten die Analphabetinnen, insgesamt 21 Frauen, den Status von Schülern der ersten Klasse.

Vergleichen wir das Lesen lernen im Erwachsenenalter mit dem Erlernen einer Fremdsprache, fällt uns Lesen viel einfacher.

Beim Lesen haben die Forscher die Gehirnaktivitäten ihrer Probandinnen untersucht und Veränderungen außerhalb der Großhirnrinde festgestellt. Der Umbau reicht bis zum Hirnstamm und zum Thalamus. Diese Areale werden zum Helfer der Sehrinde, um die visuellen Informationen zu verarbeiten.

Die Studie hat herausgefunden, dass selbst im Erwachsenenalter funktionelle Umstrukturierungen stattfinden.

Egal welches Alter wir haben. Jeder kann sein Denken und Wissen enorm beeinflussen.

Ursache von Legasthenie in Frage gestellt?

Bisher vermuteten die Forscher, dass Legasthenie zum Teil auf angeborene Fehlfunktionen im Thalamus zurückgeht. Das wissen Skeide und Huettig mit ihren Studienergebnissen zu widerlegen.

Eines dürfte an dieser Stelle deutlich werden: 7,5 Millionen Menschen, die in Deutschland weder lesen noch schreiben können, sind einfach zu viel.

Was passiert beim Lesen im Gehirn?

Es ist in jedem Alter möglich, sein Leben auf den Kopf zu stellen und endlich Lesen zu lernen. Diese Investition lohnt sich. Sie führt zu weitreichenden Veränderungen im Gehirn und eröffnet eine spannende, neue Welt.

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