Welche Privatschule ist für mein Kind die Richtige?

Wer erinnert sich noch an die Zeit, als wir einfach zu Fuß zur Schule gingen? Das große Schulsterben begann auf den Dörfern und in den kleinen Gemeinden und hat heute selbst die Kleinstädte erfasst. Das Ergebnis: Unsere Kinder sitzen in überfüllten, viel zu großen Klassen und fahren stundenlang durch die Region. 

Wie es damals war …

Paul steht morgens gegen halb 7 auf. In der Küche warten eine große Tasse Kakao und eine Schüssel Müsli. Mit Mama und Papa bespricht Paul dann den Tag. Was steht heute in der Schule an? Erst Deutsch, dann Sport und leider auch Mathe. Gemeinsam mit seinen Eltern hatte er gestern über 1 Stunde für den anstehenden Mathetest gelernt. „Paul, schau mal auf die Uhr. Mach dich fertig. Sonst kommst du zu spät zur Schule.“ Mit diesem Satz reißt seine Mama ihn aus der Träumerei.

 Als er aus dem Badezimmer kommt, steht sein Papa schon mit dem Schulranzen in der Hand. „Machs gut Paul. Wir drücken dir die Daumen für deinen Test. Du schaffst das.“ Mit diesem Satz im Kopf springt Paul aus der Tür und macht sich auf seinen Schulweg. Unterwegs trifft er seine Freunde Laura, Tim und Lisa. Sie erzählen über den heutigen Tag und wo sie gemeinsam am Nachmittag spielen wollen.

Wie es heute ist …

Was ist das Ungewöhnliche an dieser Episode? Ganz einfach. Die Realität sieht heute anders aus. Welches Kind kann schon aus der Tür zur Schule gehen? Die meisten machen sich bereits in den frühen Morgenstunden auf den Weg über viele Kilometer mit Bus und Bahn, bis sie die Schule erreicht haben.

Heute stehen die Eltern vor einem Katalog von Schularten, Schulformen und Privatschulen. Dabei bleibt die Frage im offen, welche Privatschule für mein Kind überhaupt die Richtige ist. Ich kann es nachvollziehen, dass einige Eltern zunächst einen Blick auf den Schulweg werfen. Wer möchte seinem Kind schon eine Anfahrt von mehr als einer halben Stunde jeden Tag zumuten? Wir würden in Kauf nehmen, dass ein Kind 1 Stunde lang allein auf den Straßen verbringt. In dieser Zeit fehlen noch die Aufwendungen für Hausaufgaben und Lernarbeit. Für viele Schüler endet der Spaß an der Schule schon nach der ersten Klasse. Sie haben einen Arbeitstag von zum Teil mehr als 8 Stunden zu stemmen und keine Zeit mehr für Freunde und Freizeit.

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Was ist eine Privatschule?

Die steigende Nachfrage besorgter Eltern und der Unmut vieler Schüler hat zu einer Zunahme an Privatschulen geführt. Eine Privatschule ist eine Bildungseinrichtung unter freier Trägerschaft. Nicht zuletzt der Pisa-Bericht und das schlechte Abschneiden deutscher Schüler sorgte dafür, dass der Anteil der Privatschulen enorm nach oben ging. Seit 1998 hat er sich allein verdoppelt (Quelle: die Süddeutsche).

Eine Privatschule hat nichts mit einer elitären Einrichtung für besser situierte Familien  zu tun. Sie ist auch keine Endstation für Schüler, die es an einer staatlichen Schule nicht geschafft haben. Mittlerweile ist es den Eltern mit einem mittleren Einkommen ohne weiteres möglich, ihr Kind an einer Privatschule zu schicken.

Warum geht mein Kind an eine Privatschule?

Zunächst einmal hat die Privatschule über die zusätzlichen Investition der Schulgelder die Möglichkeit, die Betreuung, die Förderung und den Unterricht gezielter voranzubringen. Damit ist die Rechnung noch nicht auf dem Papier. Wer sich mit dem Gedanken trägt, sein Kind auf eine Privatschule zu schicken, sollte das jeweilige Bildungskonzept hinterleuchten. Der jeweilige Träger definiert nämlich die Ausrichtung der Bildungseinrichtung, wie zum Beispiel Montessori Schulen und Waldorfschulen.

Privatschulen sind viel besser als ihr Ruf. Sie stehen aber in Verbindung mit bestimmten Bildungskonzepten.

Welches Konzept steckt hinter der Montessori Schule?

Wie ist der Name sagt, haben sich deutschlandweit über 400 Schulen der Montessori Pädagogik verschrieben. Den größten Anteil der Montessori Schulen gibt es in Bayern und in Berlin. Hier liegt der Fokus auf der individuellen Förderung und Entwicklung sowie auf dem selbstbestimmten Lernen. Jedes Kind und jeder Schüler ist der Baumeister seiner selbst. So gibt es an dieser Privatschule keine getrennten Klassen nach Jahrgängen und die Schüler lernen gemeinsam in verschiedenen Altersgruppen. Zudem kann jeder Schüler selbst frei entscheiden, was er im Monatsplan und Wochenplan lernt und wie er sich während des Tages beschäftigt.

Das pädagogische Konzept verzichtet auf Leistungsdruck, Strafen und Kritik und schafft eine kindgerechte Lernumgebung. Das bedeutet aber auch: Die Kinder bestimmen selbst, ob sie ein Buch zur Hand nehmen, rechnen oder malen. Sie selbst können entscheiden, wann sie keine Lust mehr haben, etwas zu tun. Das kann in vielen Punkten förderlich sein, schafft aber immer wieder reichlich Potenzial für Konflikte in Verbindung mit gesellschaftlichen Normen und Regeln.

Was lernen Kinder an der Waldorfschule?

Mittlerweile gibt es ca. 230 freie Waldorfschulen. Das Leitprinzip nimmt das Kind in Ehrfurcht auf, erzieht es in Liebe und entlässt es in Freiheit. Auf Basis einer spirituellen Weltanschauung hat sich ein ganzheitliches Bildungskonzept entwickelt. Dabei ist es nicht nur die Aufgabe, sich geistiges Wissen anzuschaffen, sondern auch handwerklich, künstlerisch und gymnastisch zu lernen. Sport, Werken, Musik, Kunst und Theater werden eine große Bedeutung eingeräumt. An dieser Schule gibt es keinen strikten Lehrplan und keine Noten, sondern detaillierte Leistungsbeschreibungen. Die Kinder gehen 12 Jahre an eine Waldorfschule und werden in den klassischen Schulstunden und Fächern ebenso unterrichtet wie in einem Themengebiet im Epochenunterricht.

Was steckt hinter kirchlichen Privatschulen?

Eines der größten Vorurteile gegenüber evangelischen oder katholischen Privatschulen? Die Kinder beten mehrmals am Tag. Diese Ansicht ist vollkommen falsch. Das kann ich wohl am besten bewerten, da ich über vier Jahre Englisch und Deutsch an einer christlichen Grundschule unterrichtet habe. In Deutschland gibt es zahlreiche Schulen unter kirchlicher Trägerschaft.

Im Zentrum steht das Kind als Geschöpf Gottes, das in der Gemeinschaft nach dem Prinzip der Nächstenliebe und Werte-Erziehung unterrichtet wird. Dabei müssen die Schüler eigentlich an nichts glauben. Sie sollen sich in der Schule wohlfühlen. Die Religion selbst nimmt über das Unterrichtsfach hinaus zwar eine große Rolle ein, wird jedoch aus unterschiedlichen Kontexten betrachtet.

Für mich ein bestimmender Vorteil war der kritische Umgang mit Gewalt und Unterdrückung innerhalb der Kindergruppen und Klassen. So haben wir uns immer wieder mit den Schülern in kritischen Situationen auseinandergesetzt. Anstelle auf dem Schulhof wegzusehen, haben die Pädagogen sehr viel Zeit und Mühe aufgebracht, die Werte der Gemeinschaft in den Vordergrund zu stellen und durchzusetzen.

Was ist eine internationale Schule?

An internationalen Privatschulen werden die Fächer nicht nur in der Muttersprache, sondern auch in einer Fremdsprache, also zweisprachig, unterrichtet. Eigentlich orientiert sich hier der Lehrstoff am deutschen Schulsystem, so dass die Abschlüsse bundesweit akzeptiert werden. Am Ende der 12. Klasse erhält der Schüler ein Internationales Abitur: International Baccalaureate. Dieser Abschluss findet in vielen Ländern Anerkennung.

Für mich ist gerade der Fokus auf die englische Sprache ein entscheidender Vorteil, der sich im späteren Leben bezahlt macht. Jüngere Schüler und Grundschüler ebenso wie Jugendliche lernen die Fremdsprachen einfacher als Erwachsene. Wenn eine Privatschule also hier ihr Bildungsarbeit auf den internationalen Austausch orientiert, geht sie mit der Zeit und wird auf Dauer die Nase vorn haben.

FAZIT: Welche Privatschule ist für mein Kind die Richtige?

Abschließend eine Rating der Privatschulen aufzumachen, wäre vollkommen falsch. Wenn sich Eltern fragen, welche Privatschule für mein Kind die Richtige ist, haben sie bereits den Entschluss gefasst, dem staatlichen Bildungssektor den Rücken zu kehren. Hierbei spielen aber mehrere Faktoren eine ausschlaggebende Rolle.

Wie weit ist die Privatschule vom Zuhause entfernt? Kann ich mich mit dem Bildungskonzept und den Bildungswerken anfreunden? Wie fördert die Privatschule den individuellen Bildungsstand meines Kindes? Wie geht es nach der Grundschule an der Privatschule weiter? Diese und viele andere Fragen solltest du so früh wie es nur geht an der betreffenden Schule ansprechen und klären. Setzte dich über lange Zeit mit dem Bildungskonzept, dem Bildungsträger und dem Schulalltag auseinander, dann findest du schon bald die richtige Privatschule für dein Kind.